In Schleswig-Holstein, dem nördlichsten Bundesland Deutschlands, ist die Industrie traditionell ein wichtiger Wirtschaftszweig. Sie ist ein wichtiger Faktor für die Region, schafft Jobs und ist maßgeblich für den Wohlstand verantwortlich. Im ersten Halbjahr 2025 erlebten die Industrieunternehmen eine merkliche Eintrübung: Laut dem Statistischen Landesamt Schleswig-Holstein sind die Umsätze der Industriebetriebe im Vergleich zum Vorjahr deutlich gefallen. Bundesweit sanken die nominalen Industrieumsätze um 1,2 Prozent; in Schleswig-Holstein war der Rückgang mit 3,7 Prozent jedoch stärker. Der Rückgang ist nicht nur durch die allgemeine wirtschaftliche Lage bedingt, sondern auch durch spezielle regionale Gegebenheiten und branchenspezifische Entwicklungen. Besonders der Rückgang des Inlandsumsatzes der Industrieunternehmen in Schleswig-Holstein um 7,7 Prozent ist bemerkenswert. Preisbereinigt sind die Umsätze um 5,0 Prozent gesunken, was die tatsächliche Schwäche der Industrieentwicklung verdeutlicht.
Schleswig-Holstein, berühmt für seine maritimen Industrien, die stark exportorientierte Wirtschaft und die innovativen Firmen, sieht sich somit Herausforderungen gegenüber, die sowohl struktureller als auch konjunktureller Art sind. Der Sektor "Sonstiger Fahrzeugbau" erlebte mit einem Rückgang von 31,2 Prozent einen besonders schweren Einbruch, gefolgt von der Automobil- und Zulieferindustrie, die einen Rückgang um 25,3 Prozent verzeichnen musste. Diese Zahlen verdeutlichen, wie sehr einzelne Branchen von Großaufträgen abhängig sind und welche Volatilität entstehen kann, wenn man sich auf wenige große Unternehmen konzentriert.
Die Daten offenbaren jedoch auch Lichtblicke: Im ersten Halbjahr 2025 verzeichnete die pharmazeutische Industrie einen beeindruckenden Umsatzanstieg von 18,6 Prozent. Die schleswig-holsteinische Industrie muss dringend auf Diversifikation und Innovationskraft setzen, wie diese Entwicklung zeigt. Die Fachleute des Statistikamts Nord machen darauf aufmerksam, dass die aktuellen Zahlen auch Sondereffekte beinhalten. Manche Großaufträge werden erst im zweiten Halbjahr abgerechnet, was zu Schwankungen führen kann. Die politischen Entscheidungsträger und die Wirtschaft müssen das Signal des Umsatzrückgangs, trotz dieser Erklärungen, genau untersuchen und angehen.
Der Rückgang der Industrieumsätze kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die gesamte deutsche Wirtschaft unter globalen Unsicherheiten, Schwierigkeiten in den Lieferketten und steigenden Preisen leidet. In Schleswig-Holstein, wo die Industrie einen zentralen Pfeiler der Wirtschaft bildet, sind diese Entwicklungen jedoch besonders spürbar. In den kommenden Abschnitten werden die Ursachen, die betroffenen Industrien, die Rolle der großen Firmen, die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die regionalen Unterschiede, die Aussichten für die nächsten Monate sowie die politischen und wirtschaftlichen Reaktionen auf die aktuellen Zahlen behandelt.
Ursachen für den Umsatzrückgang in der schleswig-holsteinischen Industrie
Ein Blick auf die Gründe für den Umsatzrückgang der schleswig-holsteinischen Industrie im ersten Halbjahr 2025 offenbart ein kompliziertes Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Zunächst ist die konjunkturelle Abkühlung in Deutschland und Europa zu erwähnen, die bereits im Vorjahr erkennbar war und 2025 fortgesetzt wurde. Weltweite Unsicherheiten, einschließlich geopolitischer Spannungen, Handelskonflikten und der fragilen Lieferketten, beeinflussen die Investitionsbereitschaft und das Bestellverhalten vieler Kunden. Für exportorientierte Industrien, wie sie vielfach in Schleswig-Holstein zu finden sind, bedeutet dies eine geringere Nachfrage nach Maschinen, Fahrzeugen und anderen Industriegütern.
Ein weiterer Grund für die negative Entwicklung sind die stark rückläufigen Inlandsumsätze. Der Rückgang um 7,7 Prozent im Inland lässt vermuten, dass neben den Exportmärkten auch die Nachfrage innerhalb Deutschlands zurückgeht. Dies könnte auf eine allgemeine Zurückhaltung der Unternehmen, was Investitionen betrifft, aufgrund gestiegener Zinsen, anhaltender Unsicherheiten und der Angst vor einer Rezession zurückzuführen sein. Auch die Vorleistungsindustrien spüren die Konsumzurückhaltung der Verbraucher indirekt: Es werden weniger Investitionen in neue Anlagen, Fahrzeuge oder Infrastrukturprojekte getätigt.
Ein weiterer Punkt ist die besondere Struktur der Industrie in Schleswig-Holstein. Einige große Unternehmen dominieren das Bundesland, vor allem in den Branchen Schiffbau, Fahrzeugbau und Maschinenbau. Diese Firmen bearbeiten oft Großaufträge, die nicht jährlich gleichmäßig verteilt sind. Sollten die Fertigstellung oder die Abrechnung von Großaufträgen verzögert werden, kann dies durch nur einen Großauftrag das Umsatzbild erheblich beeinflussen. In Schleswig-Holstein bewirken statistische Sondereffekte wie dieser traditionell größere Ausschläge nach oben oder unten als in anderen Bundesländern, die eine breitere Industriestruktur haben.
Strukturelle Veränderungen sind ebenfalls von Bedeutung. Die fortschreitende Digitalisierung, der Fokus auf Nachhaltigkeit und der zunehmende Wettbewerb aus Asien bringen die heimische Industrie in eine schwierige Lage. Einige Unternehmen haben Schwierigkeiten, sich auf neue Technologien umzustellen, während andere Investitionen in Klimaschutz und Energieeffizienz tätigen müssen, die kurzfristig die Rentabilität beeinträchtigen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Mix aus konjunkturellen, strukturellen und branchenspezifischen Einflüssen den Umsatzrückgang im ersten Halbjahr 2025 erklärt.
Betroffene Branchen und spezifische Herausforderungen
In Schleswig-Holstein erleidet nicht jede Branche einen Rückgang der Industrieumsätze. Die Krise ist im Bereich "Sonstiger Fahrzeugbau" besonders deutlich zu erkennen; er verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatzrückgang von 31,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dazu zählen unter anderem der Schiffbau, die Produktion von Schienenfahrzeugen und Spezialfahrzeugen, welche alle wichtige Industriezweige in Schleswig-Holstein sind. Solche Rückgänge lassen darauf schließen, dass Großaufträge fehlen oder es Verzögerungen bei laufenden Projekten gibt, ähnlich wie es im internationalen Schiffbau kürzlich zu beobachten war.
Selbst die Automobilbranche und ihre Zulieferer sind erheblich betroffen. Ein Rückgang von 25,3 Prozent in der Produktion von Kraftwagen und Kraftwagenteilen zeigt, dass der Automobilsektor in Schleswig-Holstein erhebliche Absatzprobleme hat. Dies kann auf die langsame Transformation zur Elektromobilität, die Verlagerung von Produktionskapazitäten und die geringe Nachfrage nach Neufahrzeugen zurückgeführt werden. Die Ungewissheiten bezüglich zukünftiger Antriebstechnologien sowie die anhaltenden Lieferengpässe bei Halbleitern und weiteren Komponenten tragen zusätzlich zur Verschärfung der Situation bei.
Im Gegensatz dazu weisen andere Branchen eine deutlich robustere Entwicklung auf. Die pharmazeutische Industrie ist besonders zu erwähnen; sie konnte im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatzanstieg von 18,6 Prozent verzeichnen. Die erhöhte Nachfrage nach Arzneimitteln, Impfstoffen und Gesundheitsprodukten ist der Grund, warum dieses Segment trotz der allgemeinen Wirtschaftskrise Wachstum verzeichnen kann. Selbst die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zeigte sich als relativ stabil, weil sie weniger von konjunkturellen Schwankungen und mehr von der Grundnachfrage der Bevölkerung beeinflusst wird.
Im ersten Halbjahr 2025 war der Maschinenbau, der traditionell eine Stärke Schleswig-Holsteins ist, uneinheitlich. Während einige Firmen durch Großaufträge profitieren konnten, erlitten andere die Folgen des Investitionsstaus in der Industrie. Auch im Sektor der erneuerbaren Energien ist die Lage ähnlich: Obwohl Schleswig-Holstein in der Windkraft und mit nachhaltigen Technologien weit vorne ist, bremsen auch hier langsame Genehmigungsverfahren und Lieferengpässsen die Umsetzung neuer Projekte. Alles in allem kann man sagen, dass die aktuellen Umsatzprobleme vor allem die Sektoren mit Großauftragsgeschäft und hohe Exportabhängigkeit betreffen, während stärker diversifizierte und auf den Binnenmarkt fokussierte Branchen weniger betroffen sind.
Die Rolle der großen Industrieunternehmen in Schleswig-Holstein
Schleswig-Holsteins Wirtschaftsstruktur wird von einigen wenigen, jedoch sehr großen Industrieunternehmen stark beeinflusst. Diese Ankerbetriebe sind nicht nur große Arbeitgeber; sie machen auch einen erheblichen Teil des Umsatzvolumens der gesamten schleswig-holsteinischen Industrie aus. Darunter fallen unter anderem Werften, große Maschinenbauunternehmen, Firmen aus der erneuerbaren Energien-Branche sowie namhafte Unternehmen der pharmazeutischen Industrie.
Die Abhängigkeit von diesen wenigen Großunternehmen bedeutet, dass die gesamte Industrie des Landes deren Geschäftsentwicklung unmittelbar folgt. Ein Großauftrag im Schiffbau wird vielleicht verschoben oder ein wichtiger Kunde im Exportgeschäft fehlt, und schon zeigen die Statistiken einen erheblichen Rückgang der Industrieumsätze. In Jahren, in denen mehrere Großaufträge akquiriert wurden, kann die Situation sehr positiv aussehen. Die schleswig-holsteinische Industrie zeichnet sich durch diese hohe Volatilität aus, was sie von anderen Bundesländern mit einer breiter gefächerten Unternehmenslandschaft unterscheidet.
Unter den bekannten Großunternehmen sind die Werften in Kiel und Flensburg, die vor allem im Marineschiffbau und mit Spezialschiffen aktiv sind, zu finden. Auch Firmen wie Drägerwerk in Lübeck, einem weltweit tätigen Medizintechnikhersteller, sowie große Windkraftunternehmen wie Senvion oder Vestas sind entscheidend für die Industrieumsätze des Landes. Erhalten diese Unternehmen im ersten Halbjahr 2025 weniger Aufträge oder verschieben sie Projekte, wird das sofort in der Statistik sichtbar sein.
Die Fokussierung auf einige wenige Schlüsselunternehmen ist zwar chancenreich, bringt aber auch Risiken mit sich: Wenn einer dieser wichtigen Akteure in Schwierigkeiten gerät oder Stellen abbauen muss, betrifft das nicht nur die direkt Beschäftigten, sondern auch viele Zulieferer und Dienstleister in der Umgebung. Die Wertschöpfungsketten sind so eng verbunden, dass Umsatzrückgänge bei den großen Unternehmen schnell die kleineren mitbetreffen können.
Andererseits ist es auch möglich, dass einzelne Unternehmen durch Innovationen und gezielte Investitionen neue Wachstumsimpulse schaffen. Der Aufschwung der pharmazeutischen Industrie, angeführt von einigen großen Firmen, hat einen spürbaren Ausgleich der Verluste in anderen Branchen bewirkt. Die Rolle dieser Schlüsselunternehmen ist also zwiegespalten: Sie sind einerseits Motoren des Wachstums und Stabilitätsanker, aber auch ein potenzielles Risiko für die Gesamtentwicklung der schleswig-holsteinischen Industrie.
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungslage
Die rückläufigen Industrieumsätze im ersten Halbjahr 2025 beeinflussen auch den Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein. Die Industrie beschäftigt etwa 100.000 Menschen und ist somit einer der wichtigsten Arbeitgeber des Landes. In vielen Firmen spiegelt sich eine vorsichtige Personalpolitik in den rückläufigen Umsätzen und Auftragsbeständen wider. Obwohl bislang größere Entlassungswellen ausbleiben, nutzen viele Unternehmen Kurzarbeit, befristete Arbeitsverträge werden nicht verlängert und Neueinstellungen erfolgen nur sehr vorsichtig.
Besonders leiden die Beschäftigten in den Branchen, die die größten Umsatzrückgänge verzeichnen mussten, namentlich der Schiffbau, der Fahrzeugbau und die Automobilzulieferer. Gewerkschaften und Betriebsräte berichten hier von einer zunehmenden Unsicherheit unter den Arbeitnehmern. Obwohl viele Firmen versuchen, ihre Mitarbeiter mit Qualifizierungsmaßnahmen und flexiblen Arbeitszeitmodellen zu halten, sind die Aussichten aufgrund der Auftragsflaute getrübt.
In der Maschinenbau- und Nahrungsmittelbranche ist die Beschäftigungslage hingegen relativ stabil. Hier profitieren die Unternehmen entweder von einer noch relativ stabilen Nachfrage oder von langfristigen Rahmenverträgen. Die pharmazeutische Industrie, die im ersten Halbjahr 2025 bemerkenswerte Umsatzsteigerungen erzielt hat, ist sogar auf der Suche nach zusätzlichen Fachkräften. Um der erhöhten Nachfrage gerecht zu werden, werden gerade in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie in der Produktion vielerorts neue Stellen geschaffen.
Die Arbeitsmarktpolitik in Schleswig-Holstein muss die Herausforderung meistern, den Strukturwandel in der Industrie sozialverträglich zu gestalten. Programme zur Weiterbildung und Qualifizierung von Arbeitnehmern, die vom Wandel betroffen sind, werden immer wichtiger. Zur Schaffung neuer Beschäftigungspotenziale wird gleichzeitig versucht, durch eine gezielte Ansiedlungspolitik und die Unterstützung neuer Industriezweige, wie beispielsweise im Bereich der erneuerbaren Energien oder der Digitalisierung, neue Chancen zu schaffen.
Die aktuellen Daten belegen jedoch, dass die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt eng mit der Umsatzentwicklung der Industrie verbunden bleibt. Sollten die Umsätze über einen längeren Zeitraum zurückgehen, könnte das mittelfristig zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Es ist notwendig, dass die Landesregierung und die Sozialpartner frühzeitig handeln und den Transformationsprozess aktiv unterstützen.
Regionale Unterschiede innerhalb Schleswig-Holsteins
Die Daten des Statistischen Landesamts bieten zwar einen Überblick über Schleswig-Holstein, doch innerhalb des Bundeslandes gibt es erhebliche regionale Unterschiede. In Schleswig-Holstein ist die Industrie nicht gleich verteilt, sondern konzentriert sich auf bestimmte Standorte und Städte. Die Gebiete um Kiel, Lübeck, Flensburg und den Kreis Steinburg sind besonders als industrielle Zentren zu nennen.
In Kiel, wo die Schiffbau- und Marineschiffproduktion seit jeher floriert, hat der Rückgang im "Sonstiger Fahrzeugbau" gravierende Folgen für die lokale Wirtschaft. Die Werften sind nicht nur große Arbeitgeber, sondern auch Auftraggeber für viele Zulieferunternehmen in der Umgebung. Deshalb betreffen Verzögerungen oder Ausfälle bei Großaufträgen nicht nur die Werften, sondern auch zahlreiche mittelständische Unternehmen, die in einem Netzwerk verbunden sind. Die Stadt Kiel und die Region um sie herum erleben die konjunkturelle Delle unmittelbar durch geringere Steuereinnahmen und eine angespannte Situation am Arbeitsmarkt.
Dank der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, dem Maschinenbau und der Medizintechnik zeigt die Region Lübeck eine größere Resilienz gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen. Vor allem die Unternehmen der Medizintechnik haben die Chance genutzt, die gestiegene Nachfrage im Gesundheitssektor zu ihrem Vorteil zu nutzen, indem sie ihre Beschäftigtenzahlen stabil hielten oder sogar ausbauten. In Flensburg, wo neben dem Schiffbau auch die Automobilzulieferindustrie eine bedeutende Rolle spielt, ist die Situation differenziert: Während einige Unternehmen mit rückläufigen Aufträgen kämpfen, profitieren andere von Nischenmärkten und Spezialisierungen.
Der Kreis Steinburg, wo sich große Chemie- und Energieunternehmen ansiedeln, hat eine gemischte Entwicklung zu verzeichnen. Einige Bereiche der Chemieindustrie haben von der erhöhten Nachfrage nach Grundstoffen profitiert, während Energieunternehmen hauptsächlich unter den Unsicherheiten am Strommarkt und den Herausforderungen der Energiewende leiden. In den ländlichen Gebieten Schleswig-Holsteins ist die Landwirtschaft nach wie vor die dominierende Kraft, während die Industrie dort nicht so stark vertreten ist; sie ist auch der Grund, warum man weniger vom aktuellen Umsatzrückgang der Industrie betroffen ist.
Die regionalen Unterschiede verdeutlichen, wie stark die wirtschaftliche Entwicklung einer Region mit der Struktur ihrer Industrie verknüpft ist. Tendenziell sind Regionen mit einer breiten Branchenstruktur und innovativen Firmen besser gegen konjunkturelle Einbrüche gewappnet. Die Unterschiede machen jedoch auch deutlich, dass die regionale Wirtschaftsförderung aktiv handeln muss: Es ist wichtig, die Abhängigkeit von wenigen Großunternehmen zu verringern und neue, zukunftsorientierte Industrien anzusiedeln.
Perspektiven für das zweite Halbjahr 2025 und Prognosen
Angesichts der Industrieumsätze in Schleswig-Holstein im ersten Halbjahr 2025 fragt man sich, wie sich die Situation in den kommenden Monaten entwickeln könnte. Mit Vorsicht optimistisch blicken Fachleute und Vertreter der Branche darauf, dass die Lage in der zweiten Jahreshälfte stabil werden oder sogar verbessern könnte. Ein wesentlicher Grund dafür sind die sogenannten Sondereffekte, wie das Statistikamt Nord ebenfalls anmerkt: Viele Großaufträge, die im ersten Halbjahr noch nicht abgerechnet wurden, könnten im Laufe des Jahres verbucht werden und so das Umsatzbild verbessern.
Die Lehren aus den Vorjahren belegen, dass die Industrie in Schleswig-Holstein oft von einer starken zweiten Jahreshälfte profitiert. Vor allem in den Bereichen Schiffbau und Maschinenbau werden die größeren Umsätze häufig erst gegen Ende des Jahres realisiert, wenn die Projekte abgeschlossen und abgerechnet werden. Auch in der Automobilbranche deuten Zeichen darauf hin, dass sich die Liefersituation für wichtige Bauteile wie Halbleiter verbessert, was möglicherweise eine höhere Produktionsauslastung zur Folge hat.
Ein weiteres ermutigendes Zeichen ist die kontinuierliche Robustheit der pharmazeutischen Industrie. Die erhöhte Nachfrage nach medizinischen Produkten und Arzneimitteln wird voraussichtlich auch im zweiten Halbjahr anhalten und so zusätzliche Umsätze generieren. Darüber hinaus werden Investitionen in die Erweiterung der Produktionskapazitäten und die Entwicklung neuer Produkte erwartet, die sich in der mittleren Frist positiv auf die Umsätze der Industrie auswirken können.
Trotzdem sind die Vorhersagen nicht ohne Unsicherheiten. Die allgemeine Wirtschaftslage in Deutschland und Europa bleibt weiterhin fragil; geopolitische Krisen und Handelskonflikte könnten neue Belastungen verursachen. Die andauernden Schwierigkeiten, die Industrie hin zu mehr Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu transformieren, sind ebenfalls große Herausforderungen für die Unternehmen. Die Energiepreise zeigen eine hohe Volatilität, was vor allem energieintensive Unternehmen gefährdet.
Deshalb verlangen Wirtschaftsverbände und Industrievertreter von der Politik, dass sie verlässliche Rahmenbedingungen schafft, in die Infrastruktur investiert und die Unterstützung für Innovationen und Digitalisierung verstärkt. Nur auf diese Weise kann die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Schleswig-Holstein gewährleistet werden. Im zweiten Halbjahr 2025 könnte es eine leichte Erholung geben, sofern sich die Rahmenbedingungen stabilisieren und die angekündigten Großaufträge wie geplant umgesetzt werden.
Politische und wirtschaftliche Reaktionen auf die Umsatzentwicklung
Die Bekanntgabe der rückläufigen Umsätze in der schleswig-holsteinischen Industrie hat in der Landespolitik und unter Wirtschaftsvertretern verschiedene Reaktionen hervorgerufen. Die Vertreter der Landesregierung hoben hervor, dass die Zahlen zwar besorgniserregend sind, aber auch im Hinblick auf die besondere Struktur der schleswig-holsteinischen Industrie betrachtet werden müssen. Die Wirtschaftsministerin machte deutlich, dass Sondereffekte, wie das Verzögern der Abrechnung von Großaufträgen, das Bild beeinflussen können und eine endgültige Bewertung erst zum Jahresende möglich sei.
Politische Vertreter haben gleichzeitig versichert, dass die Landesregierung Aktionen ergreifen wird, um die Industrie zu stärken. Hierzu gehören unter anderem Programme zur Innovationsförderung, Kapitalanlagen in die digitale Infrastruktur und Hilfe bei der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit. Die Sicherung von Fachkräften wurde besonders hervorgehoben, weil der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in zahlreichen Industriezweigen immer mehr zum Engpassfaktor wird. Um die Abhängigkeit von einzelnen Branchen zu minimieren, setzt die Politik auch auf die gezielte Unterstützung neuer Industriezweige, wie der Wasserstoffwirtschaft und den erneuerbaren Energien.
Die Wirtschaftsverbände äußerten ebenfalls ihre Meinung zu den aktuellen Zahlen. Die IHKs interpretieren die Umsatzrückgänge als ein Warnsignal, das zeigt, dass strukturelle Reformen notwendig sind. Sie verlangen, dass Unternehmen von bürokratischen Hürden entlastet werden, dass Industrieprojekte schneller genehmigt werden und dass mehr in Forschung und Entwicklung investiert wird. Die Arbeitgeberverbände warnten, dass die Wettbewerbsfähigkeit der schleswig-holsteinischen Industrie nur durch eine enge Kooperation zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gesichert werden könne.
Die Gewerkschaften hingegen konzentrieren sich auf die Beschäftigten. Ihr Ansatz beinhaltet die Forderung nach sozialer Abfederung des Strukturwandels in der Industrie durch Qualifizierungs- und Umschulungsprogramme. Die Arbeitnehmervertreter haben ebenfalls das Ziel, die Mitbestimmung zu stärken und einen Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen einzuführen.
Die Diskussion macht deutlich, dass die Umsatzentwicklung in der Industrie ein zentrales Anliegen der Wirtschafts- und Sozialpolitik in Schleswig-Holstein ist. Die Reaktionen zeigen klar, dass es eine gemeinsame Aufgabe von Politik und Wirtschaft ist, die Herausforderungen zu bewältigen und die Grundlagen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Industrie zu schaffen.
Chancen und Herausforderungen für eine nachhaltige Industrieentwicklung
An den jüngsten Fortschritten in der schleswig-holsteinischen Industrie ist offensichtlich, dass sie sich einem umfassenden Wandel gegenübersieht. Der Umsatzrückgang im ersten Halbjahr 2025 ist nicht nur ein kurzfristiges Konjunkturphänomen, sondern auch ein Zeichen für strukturelle Veränderungen. Der Wandel zu einer nachhaltigen, digitalen und innovationsgetriebenen Industrie ist bereits am Gange; er bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich.
Eine der größten Chancen besteht im Sektor der erneuerbaren Energien und der Wasserstoffwirtschaft. Die Bedingungen für die Erzeugung von Wind- und Solarenergie sind in Schleswig-Holstein hervorragend, und in den letzten Jahren hat sich das Land als Pionier in der Entwicklung von Wasserstofftechnologien etabliert. Die Schaffung von Arbeitsplätzen und die langfristige Stabilisierung sowie der Ausbau der Industrieumsätze könnten durch Investitionen in diese Zukunftsbereiche möglich werden. Um Unternehmen in ihrer Transformation zu unterstützen und die Ansiedlung neuer Industriebetriebe zu erleichtern, hat die Landesregierung entsprechende Förderprogramme geschaffen.
Die Digitalisierung hält ebenfalls große Chancen bereit. Indem Unternehmen Produktionsprozesse automatisieren, Künstliche Intelligenz nutzen und Maschinen vernetzen, können sie ihre Effizienz steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Die Digitalisierung erfordert jedoch auch große Investitionen in neue Technologien und die Weiterbildung der Beschäftigten. Insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen haben hier große Herausforderungen, weil ihnen oft die finanziellen und personellen Ressourcen fehlen.
Die Sicherung von Fachkräften ist ein weiteres wichtiges Thema. Die Industrie hat es durch den demografischen Wandel und den wachsenden Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte immer schwerer, offene Stellen zu besetzen. Deshalb setzen die Firmen zunehmend auf Ausbildungsprogramme, Weiterbildung und die gezielte Rekrutierung von Fachkräften aus dem In- und Ausland. Die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen wird gleichzeitig verstärkt, um Innovationen schneller in die Praxis umzusetzen.
Aber die Industrie auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad zu bringen, ist alles andere als einfach. Es ist unerlässlich, dass die Unternehmen große Summen in Energieeffizienz, Klimaschutz und den Übergang zu CO2-neutralen Produktionsprozessen investieren. Es liegt in der Verantwortung der Politik, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen und die Finanzierung von Transformationsprozessen zu erleichtern. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Schleswig-Holstein langfristig zu sichern, ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit zwischen Industrie, Forschung und Politik weiter verbessert wird.
Die Herausforderungen sind zahlreich: Neben der Bewältigung der aktuellen Umsatzdelle muss die Abhängigkeit von einzelnen Branchen verringert, neue Märkte erschlossen und die Innovationskraft der Unternehmen gestärkt werden. Die Ereignisse im ersten Halbjahr 2025 machen deutlich, wie entscheidend es ist, jetzt die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und den Wandel aktiv zu gestalten.