Seit Jahren reden die Öffentlichkeit und die Politik über die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn – und nirgends ist das Problem so offensichtlich wie an den großen Verkehrsknotenpunkten des Landes. Einer dieser Bahnhöfe ist der Hamburger Hauptbahnhof; er ist ein zentraler Knotenpunkt für Reisende aus ganz Deutschland und dem Ausland. Neueste Analysen zeigen, dass die pünktlichen Fernzüge, die das Herz der Hansestadt erreichen, im Jahr 2025 einen neuen Tiefstand verzeichnen. Die durchschnittliche Verspätung nimmt kontinuierlich zu, während die Zahl der täglichen Fernzughalte sinkt und das Vertrauen der Fahrgäste schwindet. Einst waren die deutschen Bahn mit Zuverlässigkeit und Präzision die Vorbilder; jetzt sind Unsicherheit und Frust an der Tagesordnung.
Es gibt viele Gründe für diese Entwicklung: ein überlastetes und teilweise veraltetes Schienennetz, Kürzungen bei den Investitionen in die Infrastruktur, zunehmende Fahrgastzahlen und eine Verdichtung der Fahrpläne, die kaum noch Puffer für Störungen zulässt. Es kommen Baustellen, technische Probleme und die Folgen des Klimawandels für die Infrastruktur hinzu. Die Probleme haben Auswirkungen auf die Bewohnerinnen und Bewohner Hamburgs sowie auf die vielen Pendler, Geschäftsreisenden und Touristinnen, die auf den Fernverkehr angewiesen sind. Die Unpünktlichkeit ist schon lange nicht mehr nur ein temporäres Ärgernis; sie gefährdet die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs und damit auch die Mobilitätswende insgesamt.
Politikerinnen wie Cansu Özdemir, die im Bundestag sitzt, machen auf die jahrelange Sparpolitik im Bahnsystem aufmerksam und verlangen große Investitionen. Die Deutsche Bahn weist auf strukturelle Engpässe hin und erklärt, dass in einem hochfrequentierten Netz die komplexen Zusammenhänge dazu führen, dass jede Störung Dominoeffekte auslösen kann. In der Zwischenzeit fragen sich die Fahrgäste, wie zuverlässig Zugreisen überhaupt noch sind und was zur Verbesserung der Situation beitragen könnte. Die Situation in Hamburg ist ein Beispiel für den Zustand des deutschen Fernverkehrs im Jahr 2025 – und es sollte alle Verantwortlichen auf allen Ebenen zum Handeln bewegen.
Die Problematik der steigenden Verspätungen am Hamburger Hauptbahnhof wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet: von den aktuellen Statistiken über die Ursachen und Folgen bis hin zu politischen Reaktionen, den Erlebnissen der Fahrgäste und möglichen Lösungswegen. In dem Artikel wird untersucht, wie diese Entwicklung zustande kam, was sie für die Stadt und ihre Bewohner bedeutet und welche Lösungen zur Bewältigung der Krise werden diskutiert.
Der Hamburger Hauptbahnhof: Verkehrsknotenpunkt im Wandel
Der Hamburger Hauptbahnhof ist das meistfrequentierte Eisenbahndrehkreuz Deutschlands und spiegelt gleichzeitig die Probleme des deutschen Schienenverkehrs wider. Über 500.000 Menschen frequentieren täglich den Bahnhof, der neben dem Fernverkehr auch Regional- und S-Bahn-Zügen dient. Seine zentrale Position ist der Grund, warum er ein wichtiges Nadelöhr für Fernzüge ist, die aus allen Teilen Deutschlands und den Nachbarländern in die Hansestadt verkehren. Im Jahr 2025 hat sich die Situation jedoch verändert: Die Anzahl der Fernzüge, die täglich am Hamburger Hauptbahnhof halten, ist gesunken. Im Zeitraum von 2021 bis 2023 wurden durchschnittlich 169 Fernzüge pro Tag gezählt, während es 2025 nur noch etwa 156 waren. Es gibt viele Gründe für diese Entwicklung, die von baulichen Maßnahmen über Kapazitätsengpässe bis hin zu strategischen Fahrplananpassungen reichen.
Der Hauptbahnhof ist ebenfalls enormem Druck ausgesetzt. Ursprünglich war die Infrastruktur für weit geringere Fahrgastzahlen ausgelegt, doch sie stößt schon jetzt an ihre Grenzen. Gleisinfrastrukturengpässe, überfüllte Bahnsteige und das Fehlen von Ausweichmöglichkeiten machen einen reibungslosen Betrieb schwierig. Es gibt auch viele Baustellen, die für die Modernisierung und Instandhaltung notwendig sind, die aber gleichzeitig zu betrieblichen Einschränkungen führen. Das Ergebnis sind verlängerte Fahrzeiten, Umleitungen und teils kurzfristige Fahrplanänderungen, die vor allem den Fernverkehr betreffen.
Die steigende Bedeutung Hamburgs als Wirtschafts- und Tourismuszentrum hat ebenfalls die Anforderungen an den Hauptbahnhof erhöht. Sowohl internationale Strecken, wie nach Skandinavien oder in die Niederlande, als auch innerdeutsche Schnellverbindungen werden bedient. Die vielen Faktoren, die dort zusammenkommen, machen den Hamburger Hauptbahnhof besonders verletzlich für Verspätungen. Bereits kleine Störungen auf einer der Zufahrtsstrecken können das gesamte System schnell beeinflussen.
Unbestreitbar ist der Bahnhof das Herzstück der Mobilität in Norddeutschland, aber es ist deutlich zu erkennen, dass er sich von einem funktionierenden Verkehrsknotenpunkt zu einem dauerhaften Problemfall wandelt. Ein Zeichen für tiefere strukturelle Probleme ist die zunehmende Unpünktlichkeit der Fernzüge; dieses Problem betrifft nicht nur Hamburg, sondern das ganze Land.
Statistische Entwicklung: Mehr Verspätungen, weniger Halte
Eine statistische Untersuchung der Ankunftspünktlichkeit am Hamburger Hauptbahnhof zeigt eine besorgniserregende Entwicklung. Im Jahr 2025 erreichen nur noch 62 Prozent der Fernzüge ihr Ziel pünktlich, was bedeutet, dass sie mit weniger als sechs Minuten Verspätung ankommen. Im Jahr 2021 betrug dieser Wert noch 75 Prozent. In nur vier Jahren hat sich die Zahl der unpünktlichen Züge deutlich erhöht. Im gleichen Zeitraum hat sich die durchschnittliche Verspätung von sieben auf 11,4 Minuten erhöht. Die Zahlen stammen aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage.
Bundesweit ist die Definition von Pünktlichkeit einheitlich: Ein Zug gilt als verspätet, wenn er den Zielbahnhof mindestens sechs Minuten nach der planmäßigen Ankunftszeit erreicht. Diese Grenze wurde nicht willkürlich gewählt; sie berücksichtigt auch kleine, betriebsbedingt kaum zu vermeidende Verzögerungen. Trotz allem ist ein Rückgang des Pünktlichkeitswerts um 13 Prozentpunkte nicht zu ignorieren; er führt dazu, dass täglich in Hamburg Dutzende von Fernzügen mit erheblichem Versatz ankommen – und das hat Folgen für Anschlussverbindungen und die Reiseplanung der Reisenden.
Ebenfalls auffällig ist der Rückgang der täglichen Fernzughalte. Die Regionalzüge und S-Bahnen am Hamburger Hauptbahnhof verkehren weiterhin in etwa der gleichen Anzahl, während der Fernverkehr Rückgänge hinnehmen musste. Die Reduzierung von 169 auf 156 Halte pro Tag bedeutet einen Rückgang von etwa acht Prozent. Es gibt zahlreiche Ursachen dafür: Neben baulichen Engpässen und temporären Baustellenmaßnahmen sind auch Anpassungen im Fahrplankonzept und die Priorisierung anderer Knotenpunkte aufgeführt. Die Deutsche Bahn hat hierzu bisher nur vage Kommentare abgegeben.
Die Pünktlichkeit des Fernverkehrs am Hamburger Hauptbahnhof ist mit 62 Prozent im bundesweiten Vergleich durchschnittlich. Im Jahr 2025 lag der bundesweite Wert der pünktlichen Ankünfte der Fernzüge an den Zielbahnhöfen nur bei 62,5 Prozent. So wird die Hansestadt zum Mittelpunkt einer Entwicklung, die viele Metropolen betrifft, deren Hauptbahnhöfe immer häufiger mit Verspätungen und betrieblichen Einschränkungen zu kämpfen haben.
Ursachen der Unpünktlichkeit: Überlastung und Infrastruktur
Es gibt mehrere Gründe, warum die Verspätungen am Hamburger Hauptbahnhof zunehmen. Im Fokus steht ein überlastetes und teilweise antiquiertes Schienennetz, das den Ansprüchen des modernen Eisenbahnverkehrs kaum noch gewachsen ist. Die Hamburger Schieneninfrastruktur ist bereits heute eine der am stärksten beanspruchten in ganz Deutschland. Ein enges Fahrplangefüge, steigende Zugfrequenzen und ein großer Anteil an Baustellen sind die Ursachen für ein ständiges Verzögerungsrisiko.
Ein entscheidender Aspekt ist die unzureichende Kapazität auf den Zulaufstrecken zum Hauptbahnhof. In den frühen Morgenstunden und am Abend, wenn Pendler- und Fernverkehr zeitgleich die Gleise nutzen, sind diese maximal ausgelastet. Schon kleine Störungen – wie eine Signalstörung oder eine technische Panne an einem Zug – können sich in diesem engen Zeitplan schnell fortpflanzen und durch einen Dominoeffekt Verspätungen auf vielen Verbindungen verursachen. Eine dichte Belegung erschwert es zudem, Ersatz- oder Umleitungsfahrpläne einzurichten, was die Flexibilität im Störungsfall einschränkt.
Es kommt noch hinzu, dass der hohe Anteil an Baustellen, die zwar notwendig sind, um die Infrastruktur zu erneuern, aber kurzfristig zu erheblichen betrieblichen Einschränkungen führen. Im Jahr 2025 finden auf mehreren Zulaufstrecken nach Hamburg umfangreiche Bauarbeiten statt, beispielsweise in Hamburg-Harburg und entlang der Strecke nach Lübeck. Obwohl diese Aktionen langfristig Verbesserungen versprechen, bringen sie kurzfristig verlängerte Fahrzeiten, Umleitungen und eine Reduzierung der Haltefrequenz mit sich.
Selbst äußere Faktoren wie extreme Wetterlagen, die infolge des Klimawandels häufiger vorkommen, sind Ursache für Verspätungen. Unwetter, intensiver Regen und Hitzewellen machen der Infrastruktur zu schaffen; dies führt häufig zu temporären Sperrungen oder einem verlangsamten Fahrbetrieb. Auch die Deutsche Bahn weist darauf hin, dass eine Vielzahl technischer Störungen durch das hohe Alter vieler Anlagen und die starke Beanspruchung begünstigt wird.
Nicht zuletzt hat die jahrelange Sparpolitik dazu beigetragen, dass Investitionen in die Schiene verzögert oder erschwert wurden. Die Auswirkungen sind jetzt als Modernisierungsstaus und ein steigender Instandhaltungsbedarf zu erkennen, der sich während des laufenden Betriebs kaum noch bewältigen lässt. Die zunehmende Unpünktlichkeit am Hamburger Hauptbahnhof ist also das Resultat eines Zusammenspiels aus strukturellen, betrieblichen und externen Einflüssen, die sich gegenseitig verstärken und das System an seine Grenzen bringen.
Auswirkungen auf Fahrgäste und Wirtschaft
Die steigenden Verspätungen am Hamburger Hauptbahnhof sind ein Problem, das die Fahrgäste und die Wirtschaft der Metropolregion deutlich betrifft. Für die täglich Tausenden Reisenden sind unzuverlässige Ankünfte nicht nur ein Zeitverlust, sondern auch eine große Einschränkung der Planbarkeit. Anschlusszüge entfallen, Termine ändern sich, und Reiseketten sind gefährdet. Pendler, die auf einen pünktlichen Arbeitsbeginn angewiesen sind, und Geschäftsreisende, deren Zeitpläne oft eng getaktet sind, sind hiervon besonders betroffen.
Selbst der Tourismus in Hamburg ist von den Verzögerungen betroffen. Die Stadt gehört zu den beliebtesten Reiseziele Deutschlands; viele Besucher kommen mit dem Zug. Wenn Züge verspätet sind oder ganz ausfallen, kann es passieren, dass Veranstaltungen, Hotelbuchungen oder Stadtführungen nicht wie geplant stattfinden können. Im schlimmsten Fall können wiederholte negative Erlebnisse dazu führen, dass man sich gegen Hamburg als Reiseziel entscheidet.
Auch die Wirtschaft in Hamburg braucht eine funktionierende Bahninfrastruktur. Die Stadt ist ein wichtiger Logistikstandort; zahlreiche Firmen sind auf schnelle und zuverlässige Verbindungen angewiesen, um Mitarbeitende, Kunden und Waren zu transportieren. Besonders in der Tagestouristik, bei Kongressen oder wenn es um die Verbindung von Hafen und Flughafen geht, ist es entscheidend, dass der Fernverkehr reibungslos funktioniert. Wenn Züge nicht pünktlich sind, können Kosten steigen, die Produktivität sinken und im schlimmsten Fall erleidet die Stadt einen Imageschaden.
Die psychologischen Auswirkungen auf die Fahrgäste sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Die Ungewissheit über die pünktliche Ankunft des Zuges ist der Grund für Frust, Stress und Unzufriedenheit. Immer mehr Menschen planen großzügige Pufferzeiten ein oder nutzen alternative Verkehrsmittel. Dadurch wird das Vertrauen in die Bahn als Rückgrat der Mobilitätswende untergraben, was den Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Verkehr erschwert.
Außerdem kann die zunehmende Unzuverlässigkeit des Fernverkehrs auch negative Auswirkungen auf das regionale Nahverkehrssystem haben. Wenn Fahrgäste auf S-Bahnen oder Regionalzüge ausweichen, erhöhen sich deren Auslastung und es entstehen neue Engpässe. Alles am Hamburger Hauptbahnhof ist also nicht nur ein Problem für den Fernverkehr, sondern betrifft die gesamte Mobilitätskette in der Stadt.
Politische Reaktionen und Forderungen
Politikerinnen und Politiker aller Parteien verlangen angesichts der besorgniserregenden Situation am Hamburger Hauptbahnhof schnelle und umfassende Maßnahmen. In einer aktuellen Äußerung bezeichnete die Bundestagsabgeordnete Cansu Özdemir (Linke) die Bahn als "Sanierungsfall" und machte die jahrelange Sparpolitik für ihren Niedergang verantwortlich. Sie verlangt, dass die Kürzungen zulasten der Schiene gestoppt werden, und fordert viel höhere Investitionen in die Infrastruktur sowie in bezahlbare Tickets.
Der Druck auf die Bundesregierung und die Bahn kommt auch aus anderen Richtungen. Abgeordnete der Hamburger Bürgerschaft, der Handelskammer und diverser Verbände setzen sich dafür ein, die Engpässe schnell zu beheben. Dabei sind nicht nur der Ausbau der Schienenwege, sondern auch die Modernisierung der Bahnhofsgebäude, die Verbesserung der Informationstechnologie und die Optimierung der Betriebsabläufe von Bedeutung.
Es wird im Bundestag und im Hamburger Senat auch über eine grundlegende Reform der Finanzierung des Schienenverkehrs gesprochen. Eine Abkehr von der bisherigen Praxis, Investitionen und Betrieb strikt zu trennen, fordern viele Fachleute. Es ist besser, langfristige Fonds einzurichten, die eine nachhaltige Modernisierung unterstützen. Die Deutsche Bahn weist auf bereits eingeleitete Maßnahmen hin und betont, dass es weiterer staatlicher Unterstützung bedarf.
Die europäische Verkehrspolitik ist ebenfalls von Bedeutung. Die EU verlangt von ihren Mitgliedsstaaten, den Schienenverkehrsanteil am Gesamtverkehr zu steigern und die CO2-Emissionen zu reduzieren. Als bedeutende Drehscheibe ist Hamburg besonders gefordert, entsprechende Aktionen zu ergreifen und die Attraktivität des Zugverkehrs zu verbessern.
Die Gespräche über die Zukunft des Hamburger Hauptbahnhofs und des deutschen Fernverkehrs sind deshalb nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch eine politische Angelegenheit. Es handelt sich um grundlegende Fragen zur Finanzierung, zur Priorisierung und zur Verantwortung für eine nachhaltige Mobilität. Mit den aktuellen Zahlen ist die Debatte intensiver geworden, und sie erhöhen den Handlungsdruck auf alle Beteiligten.
Die Sicht der Deutschen Bahn: Herausforderungen und Erklärungen
Die Deutsche Bahn bekommt angesichts der steigenden Verspätungen am Hamburger Hauptbahnhof ordentlich Kritik. In ihren offiziellen Äußerungen spricht das Unternehmen über die strukturellen Herausforderungen, die den Betrieb in Hamburg und bundesweit erschweren. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn macht deutlich, dass das Schienennetz überlastet, zu alt und sehr störanfällig sei. In einem System wie dem Hamburger Nahverkehr, das so engmaschig und vertaktet ist, könnten Störungen auf einzelnen Strecken schnell das gesamte Netz beeinträchtigen und Dominoeffekte verursachen.
Die Bahn macht darauf aufmerksam, dass die Anzahl der Baustellen in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen ist. Um die Infrastruktur zu modernisieren und zukunftssicher zu gestalten, seien diese notwendig. In der kurzen Frist hatten sie allerdings zur Folge, dass das Unternehmen Einschränkungen hinnehmen musste, die direkt die Pünktlichkeit beeinflussten. Die Schwierigkeit liege darin, die Modernisierung während des laufenden Betriebs zu meistern, ohne das System zum Stillstand zu bringen.
Ein weiteres Problem ist die hohe Auslastung der Zulaufstrecken in Hamburg. Der Hamburger Hauptbahnhof ist ein entscheidender Engpass im deutschen Schienennetz, durch den täglich zahlreiche Fern-, Regional- und S-Bahn-Züge verkehren müssen. Hier können selbst kleine Verzögerungen große Verspätungen verursachen. Nach Angaben der Bahn entwickelt sie neue Ansätze zur Betriebsführung, unter anderem durch moderne Leittechnik und eine bessere Kommunikation mit den Fahrgästen.
Außerdem hat die Deutsche Bahn einen zunehmenden Finanzierungsbedarf. Die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf decken bei Weitem nicht die notwendigen Investitionen. Deshalb fordert die Bahn, dass Bund und Länder mehr Unterstützung bieten, um die Infrastruktur auf den neuesten Stand der Technik zu bringen und den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Die Bahn hebt trotz der bestehenden Probleme auch ihre Fortschritte hervor. In den vergangenen Jahren wurden viele Modernisierungsprojekte initiiert, wie der Ausbau der digitalen Stellwerke, die Erneuerung von Gleisanlagen und die Einführung neuer Fahrzeugtypen. Dennoch seien die Erfolge angesichts des hohen Investitionsstaus und der wachsenden Nachfrage bislang nur punktuell zu spüren. Die Deutsche Bahn hebt hervor, dass es eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Beteiligten braucht, um die Pünktlichkeitsprobleme in Hamburg und bundesweit zu lösen.
Stimmen der Fahrgäste: Zwischen Frust und Hoffnung
Die Passagiere am Hamburger Hauptbahnhof sind die, die die Auswirkungen der Verspätungen täglich direkt miterleben. Zahlreiche Menschen berichten von immer wiederkehrenden Verspätungen, verpassten Anschlusszügen und der Notwendigkeit, ihre Reisepläne ständig neu zu justieren. Menschen, die auf einen pünktlichen Arbeitsweg angewiesen sind, berichten von ihren Erfahrungen, dass sie regelmäßig zu spät am Arbeitsplatz sind oder gezwungen sind, frühere Züge zu wählen, um möglichen Verspätungen ein Schnippchen zu schlagen.
Selbst Geschäftsreisende sind betroffen. Die Unzuverlässigkeit des Fernverkehrs kann für sie erhebliche Kosten und organisatorische Probleme verursachen. Wer wichtige Termine oder Konferenzen verpasst, muss nicht nur mit Ärger, sondern manchmal auch mit finanziellen Einbußen rechnen. Zahlreiche Unternehmen müssen alternative Reisemöglichkeiten in Betracht ziehen oder zusätzliche Zeitpuffer einplanen.
Die Verspätungen sind für Reisende, die Hamburg besuchen, oft der erste Eindruck von der Stadt. Negative Erlebnisse im Fernverkehr können die Freude an der Reise mindern und bewirken, dass Gäste in Zukunft andere Verkehrsmittel oder Reiseziele wählen. Für Familien mit Kindern oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind Verspätungen und kurzfristige Änderungen ebenfalls eine große Belastung.
Viele Fahrgäste zeigen trotz ihrer Frustration auch Verständnis für die Schwierigkeiten, mit denen die Bahn konfrontiert ist. Es wird allgemein anerkannt, dass Baustellen und Modernisierungsmaßnahmen notwendig sind, solange man transparent kommuniziert und die Auswirkungen minimiert. Eine bessere Information über Verspätungen, klare Alternativen und eine schnelle Entschädigung bei Zugausfällen wünschen sich viele Menschen.
Andere betonen jedoch die entscheidende Rolle der Bahn für die Mobilitätswende. Trotz aller Schwierigkeiten empfinden viele Fahrgäste die Bahn als eine umweltfreundliche und bequeme Alternative zum Auto oder Flugzeug. Es bleibt die Hoffnung auf eine Verbesserung, gepaart mit der Bitte, dass die Entscheider die richtigen Weichen für die Zukunft stellen.
Lösungsansätze und Perspektiven für den Fernverkehr
Die zunehmenden Verspätungen am Hamburger Hauptbahnhof haben eine umfassende Diskussion über mögliche Lösungsansätze zur Behebung des Problems ausgelöst. Im Mittelpunkt steht der Aufruf, die Infrastruktur massiv zu investieren. Um die Kapazität zu steigern und die Anfälligkeit für Störungen zu minimieren, gelten der Ausbau und die Modernisierung der Zulaufstrecken, die Erneuerung von Gleisanlagen und Weichen sowie der Bau zusätzlicher Gleise und Bahnsteige als zentrale Maßnahmen.
Auch die Digitalisierung des Bahnbetriebs steht im Fokus. Die Implementierung digitaler Stellwerke, die Verbesserung der Kommunikation zwischen Zügen und Leitstellen sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Optimierung der Betriebsführung bieten Chancen für Effizienzsteigerungen und eine verbesserte Störungsbewältigung. Die Information der Fahrgäste soll ebenfalls durch digitale Systeme optimiert werden, damit im Falle von Verspätungen schnell und transparent Alternativen bereitgestellt werden können.
Zusätzlich entwickelt die Deutsche Bahn neue Fahrplankonzepte mit mehr Pufferzeiten, um die Auswirkungen von Verzögerungen zu mildern. Es wird auch über die Möglichkeit diskutiert, bestimmte Strecken oder Knotenpunkte temporär zu entlasten, etwa durch Umleitungen, den Einsatz zusätzlicher Züge oder eine bessere Abstimmung von Fern- und Regionalverkehr.
Die Verbesserung der Instandhaltung ist eine weitere Maßnahme. Technische Störungen sollen minimiert werden, indem man auf präventive Wartung setzt und verschlissene Komponenten schneller austauscht. Die Ausbildung und Einstellung von zusätzlichem Fachpersonal wird ebenfalls als entscheidender Faktor angesehen, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Auch eine Reform der Finanzierung steht auf der Agenda der Diskussion. Um die Bahn zukunftssicher zu gestalten, könnten wir langfristige Investitionsfonds einrichten, die Beteiligung von Bund und Ländern ausbauen und gezielt innovative Projekte unterstützen. Die Absicht ist eindeutig: Der Fernverkehr soll endlich wieder eine verlässliche, attraktive und nachhaltige Säule der Mobilität werden – und zwar nicht nur in Hamburg, sondern bundesweit. In den nächsten Jahren wird sich herausstellen, ob die umgesetzten und geplanten Aktionen ausreichen, um das Vertrauen der Fahrgäste zurückzugewinnen und die Pünktlichkeit auf ein akzeptables Niveau zu bringen.